In Zeiten geschlossener Museen gibt es immerhin noch auf öffentlichen Plätzen Relikte aus der Vergangenheit zu bewundern. Mitten in Lübars steht zum Beispiel noch ein altes Fernsprechhäuschen, das unter Denkmalschutz steht – ein Stück Geschichte des Telefons, die vor 140 Jahren etwas schwerfällig begann. Berlin war zwar eine moderne Metropole, in der sich neueste Technik immer schnell ausbreitete, allerdings herrschte ausgerechnet beim Fernsprechapparat anfängliche Skepsis. Nur mit großer Mühe gelang es überhaupt, acht Teilnehmer zu überreden, sich dem ersten Telefonnetz im Januar 1881 anzuschließen.
Doch schon bald setzte sich die Innovation durch. Wer sich selbst keinen Apparat leisten konnte, war auf öffentliche Telefonkabinen angewiesen; die erste befand sich im Postgebäude Unter den Linden. Ein Telephon-Billet für 5 Minuten Gesprächsdauer kostete 50 Pfennig. Durchaus nicht billig, da ein Glas Wein oder ein Teller Suppe damals schon für 20 Pfennig zu bekommen waren. Ab 1899 wurde dieses Bezahlsystem dann langsam von den neueren Münzapparaten verdrängt. Die Zahl der Anschlüsse stieg rasant: 1930 gab es sogar schon deutlich über drei Millionen.
Das Verfahren, per Wählscheibe die gewünschten Gesprächspartner direkt zu erreichen, setzte sich erst allmählich durch. Anfangs musste noch das „Fräulein vom Amt“ dazwischenfunken, indem sie die Verbindung per Hand herstellte. Dass diese Tätigkeit nur von Frauen ausgeübt wurde, liegt übrigens daran, dass weibliche Stimmen besser zu verstehen waren als Männerstimmen.
1904 wurde in Berlin das erste Telefonhäuschen aufgestellt, das in seiner Gestalt schon den heutigen glich. Eine verbindliche Norm wurde jedoch erst 1932 in der „Allgemeinen Dienstanweisung für Post und Telegraphie“ beschlossen. Das Gelb oder Blau wurde 1934 zu Rot; erst nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Telefonzellen einheitlich gelb. Mit der Abspaltung der Telekom von der Deutschen Post nach der Wiedervereinigung gehörte das Postgelb der Vergangenheit an und wurde durch Magenta, silbergrau und weiß ersetzt. Bis in die 1970er mahnte ein Emailleschild: „Nimm Rücksicht auf Wartende: Fasse dich kurz!“ Besonders vor der Einführung des Zeittaktes für Ortsgespräche 1980 war das ein wichtiger Hinweis.
Durch die Verbreitung von Handys und Smartphones sind öffentliche Telefonzellen so gut wie überflüssig geworden. Die Telekom ist allerdings verpflichtet, immer noch einige öffentliche Apparate für die Grundversorgung bereit zu stellen. Oft sind es nur noch die deutlich günstigeren Telefonsäulen – nicht zuletzt deshalb, weil sie weniger Angriffsfläche für Vandalismus bieten. Es gibt heute rund 15.000, vor 30 Jahren waren es noch 120.000. Die erste Möglichkeit, in Deutschland mobil zu telefonieren gab es bereits 1926 auf der Zugverbindung zwischen Berlin und Hamburg.
Das Fernsprechhäuschen in Lübars ist vom Typ FeH32 und wurde 1934 vom Reichspost-Zentralamt am Dorfanger aufgestellt. Anrufe können von dort allerdings nicht mehr getätigt werden, dafür findet jetzt eine Literaturbörse statt. Das Häuschen wird wie viele andere Telefonzellen in Deutschland als kleine Bücherstube genutzt. Gelesene Exemplare können dort gegen neuen Lesestoff getauscht werden. So dient dieser nun verstummte Zeuge einer vergangen Epoche noch immer als Ort der Kommunikation.bod
Fernsprechhäuschen unter Denkmalschutz Foto: bod
Das Fräulein vom Amt verbindet. (Bild: Archiv)





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