Reinickendorf – Kleine grüne Flächen haben es in Berlin schwer. Gerne werden sie für vermeintlich Wichtigeres versiegelt. So wird es wohl auch in der Winter- und Sommerstraße in der Nähe des Hausotterplatzes geschehen.
Das Bezirksamt plant, den Gehweg dort instandzusetzen und um viele Meter zu verbreitern. „Als ob so ein boulevardgleicher Ausbau hier nötig wäre“, kritisiert Rainer Schifft dieses Vorhaben. Er ist Eigentümer des Hauses Nummer 23, hat es vom Vater geerbt und seit er denken kann, befinden sich gut 165 Quadratmeter Grün rund um das Eckgebäude. Die Fläche gehört der Stadt, aber die hat sich nie darum gekümmert. Mieter haben sie über Jahrzehnte gepflegt und eine der vielbeschworenen grünen Oasen in der Großstadt ist entstanden. Und die möchte Rainer Schifft erhalten – stößt beim Amt mit diesem Wunsch jedoch auf Granit.
Der Gehweg ist in einem schlechten Zustand und für Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen schwer passierbar. Deshalb ist eine Sanierung sinnvoll; und das soll „nach den Vorgaben des Berliner Mobilitätsgesetzes“ und „analog den baulichen Gegebenheiten“ geschehen, teilt das Bezirksamt auf eine RAZ-Anfrage mit.
Das bedeutet: Der Gehweg wird in der Breite fortgeführt, wie beim Rest der Straße. Aber ist das nötig? „Der Ausbau der Fußwege in dieser Dimension ist reine Steuergeldverschwendung“, sagt Schifft. Das Amt hätte beim Ausbau des Gehweges bezüglich der Breite einen Gestaltungsspielraum. Im Mobilitätsgesetz stehe lediglich, dass Gehwege „ein für das Fußverkehrsaufkommen ausreichendes Maß“ haben müssten: „Dabei soll ein Begegnen von Personen, einschließlich genutzter besonderer Fortbewegungsmittel (Kinderwagen, Rollstühle) nach §24 der Straßenverkehrs-Ordnung…möglich sein.“ Dafür reiche auch, nur die Hälfte der Grünfläche zu versiegeln oder den Grünstreifen neben der Fahrbahn mitzunutzen. Lapidare Antwort dazu aus dem Amt: „Das Bezirksamt unterhält, betreibt und setzt seine Verkehrsanlagen entsprechend den gesetzlichen Anforderungen um.“
„Leider ist im Bezirksamt kein Sinneswandel zu erkennen. Es könnte auch mal weniger traditionell sein und Grün und Versickerungsfläche einfach erhalten. Schwammstadt Berlin ja. Aber bitte ohne Reinickendorf“, zeigt sich Rainer Schifft enttäuscht.
Janna Einöder, Sprecherin des NABU Landesverband Berlin e.V. findet die grüne Oase ebenfalls erhaltenswert. denn „auch kleine Grünflächen sind wichtige Lebensräume für Wildbienen, Spatz und Co. Gerade in Zeiten der Natur- und Klimakrise müssen wir sorgfältig mit unserem Stadtgrün umgehen. Trotzdem werden Flächen weiter versiegelt oder zurückgedrängt. Das Beispiel in Reinickendorf zeigt, wie soziale und ökologische Interessen gegeneinander ausgespielt werden – ohne Blick aufs große Ganze. Daher können wir das Vorgehen des Bezirksamts nicht nachvollziehen.“ Ein Funken Hoffnung befindet sich allerdings in einem abschließenden Satz des Amtes auf eine Nachfrage der RAZ: „Es ist darauf hinzuweisen, dass es sich hier um ein laufendes Verfahren handelt – und das noch nicht abgeschlossen ist.“





![PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px[1]](https://raz-zeitung.de/wp-content/uploads/2024/10/PTT_NSG_Banner_TopMag_300x250px1.jpg)