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Ein mann neben einem Aufsteller
Uwe Brockhausen und sein letztes Projekt: Hitzeschutz! Foto: bs

Laute Töne waren in 34 Jahren nie sein Ding

Der Bezirksstadtrat Uwe Brockhausen verlässt die kommunalpolitische Bühne und geht in den Ruhestand

Waidmannslust – Ein stiller Star der Kommunalpolitik in Reinickendorf geht nach der Wahl in den Ruhestand. Uwe Brockhausen trat 1984 in den damaligen SPD-Ortsverband „Alt-Reinickendorf“ ein. Seit 1992 ist er für die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) aktiv. Er hat viel in den 34 Jahren erlebt. Zunächst saß er bis 2011 als Verordneter in der BVV. Dann wurde er Stadtrat, was er bis heute ist. Allerdings mit einem Höhenflug.

Von 2021 bis 2023 war der studierte Jurist Bezirksbürgermeister. Nach der Zwischenwahl mit neuen Mehrheitsverhältnissen verzichtete er auf das Amt, das ihm als „Beamter auf Zeit“ bis zum offiziellen Ende der laufenden Wahlperiode zugestanden hätte. Seitdem ist er stellvertretender Bürgermeister und Stadtrat für Soziales und Gesundheit. 

Brockhausen bezeichnet die kurze Zeit als Chef des Bezirksamtes als „Höhepunkt“ seiner Karriere und sinniert: „Ich hätte gern weiter gemacht“, aber den veränderten Mehrheitsverhältnissen wollte er als Demokrat nicht mit Rechtsstreitereien aus den Tiefen des Beamtengesetzes begegnen. Er gilt als ruhiger Verwaltungsfachmann mit viel Erfahrung. Für bissige Bemerkungen in der BVV und anderswo fühlt er sich nicht zuständig. 

Jede und jeder kennt die Frage, wenn der Ruhestand naht: Und dann? Brockhausen hat seiner Partnerin versprochen, zunächst einmal sechs Monate nichts zu machen, das habe sie sich verdient. Er wolle viel mit dem Hund um den Hubertussee gehen und reisen. Danach könne er sich Ehrenämter vorstellen, will aber nicht verraten, was ihm gefallen würde. 

Den aktuellen Wahlkampf sieht er, auch gerade für seine Partei, als eine „herausfordernde Zeit“. Auf die Möglichkeit angesprochen, dass ein AfD-Mitglied wieder Stadtrat werden könne, gibt er zu bedenken, dass die Kandidaten von der BVV gewählt werden müssten. Ähnlich wie bei der Wahl zum BVV-Schriftführer – während der ganzen Legislaturperiode fielen die AfD-Kandidaten bei regelmäßigen Abstimmungen immer durch – könne er sich vorstellen, dass AfD-Stadträte nicht gewählt werden würden. 

Eines seiner letzten großen Projekte als Stadtrat ist der Hitzeschutz für gefährdete Bürger und Bürgerinnen. Die RAZ traf Brockhausen im Albatros Tageszentrum Waidmannslust, das nach Auskunft der Leiterin Jutta Schäfer seit Juli Hitzeschutzraum sei. Der RAZ beantwortete er dort Fragen zum wiederkehrenden Problem großer Hitzewellen im Sommer. 

Wie viele Hitzeschutzräume gibt es in Reinickendorf?

Wir haben es geschafft, in jedem der elf Ortsteile von Reinickendorf einen Kühlen Raum zu organisieren. 

Seit wann läuft das Projekt?

Wir sind seit etwa zwei Jahren auf der Suche und bei der Organisation von Kühlen Räumen. Das ist sicherlich ein Projekt, dass einige Jahre in Anspruch nehmen wird, bis es von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen wird.

Werden diese Räume bereits genutzt?

Also im Augenblick werden sie noch nicht so richtig genutzt. Das hängt auch entscheidend damit zusammen, dass viele noch gar nicht wissen, wo die kühlen Räume sind. Wir werden aber auf jeden Fall weitere kühle Räume schaffen.

Wo kann man sich erkundigen, wo welche Hitzeschutzräume sind?

Es gibt Internetseiten vom Land Berlin und auf unserer Bezirksseite. Ansonsten liegen auch Infomaterialien aus: z.B. in Seniorenfreizeitstätten und Stadtteilzentren,  Freizeiteinrichtungen, Bürgerämtern und im Gesundheitsamt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Bertram Schwarz

Bertram Schwarz

Meine erste journalistische Station war die Schülerzeitung meiner Schule, später war ich für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten als freier Mitarbeiter tätig, nach dem Studium als politischer Redakteur beim NDR und später als Geschäftsführer verschiedener Medienfirmen. Seit 2019 arbeite ich als freier Autor für die RAZ.