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Paula Carralero-Bierzynska kann auch in diesem Jahr in ihrem Atelier in der Atelieretage AR_29 ihrer Leidenschaft nachgehen. Foto: fle

Schöne Bescherung für die Künstler

Mietvertrag der Atelieretage AR_29 kurz vor Weihnachten um ein Jahr verlängert

Reinickendorf – Eine frohe Botschaft kurz vor Weihnachten: Die Künstlerinnen und Künstler, die im Gebäude Alt-Reinickendorf 28-29 auf rund 1.000 Quadratmetern in 21 Ateliers künstlerisch tätig sind, haben ein weiteres Jahr Sicherheit gewonnen. 

Der Atelier-Standort war einer von insgesamt 27 Kunstorten, an denen der Senat den Rotstift ansetzen wollte. Den Malern, Bildhauern und anderen Künstlern drohte durch die massiven Kürzungen im Kulturhaushalt das Aus (wir berichteten). 

„Wir haben inzwischen von der landeseigenen Gesellschaft für Stadtentwicklung die Zusage erhalten, dass unser Mietvertrag bis Februar 2027 verlängert wird“, sagt Malerin Ulrike Bultmann. „Das gibt uns für den Moment etwas Planungssicherheit.“ 

Auch ihre Künstler-Kolleginnen wie Yedam Ann und Paula Carralero-Bierzynska sind erleichtert. Denn es seien nicht nur die Räume, um die es gehe, wie Carralero-Bierzynska erklärt: „Es ist ein Ort der Gemeinschaft, der Zusammenkunft, des Austauschs. Das darf nicht zerstört werden.“

Die Atelieretage gehört zum Atelierprogramm des bbk Berlin e.V. und wird durch den Senat gefördert. Doch genau dieses Förderprogramm ist durch die Kürzungen in Gefahr. Denn ohne Zuschüsse wären die Mieten nicht mehr bezahlbar – oder die Etage müsste komplett schließen. Dabei ist der Kunstraum eh schon knapp in Berlin – es gibt etwa 1.000 subventionierte Arbeitsräume für rund 15.000 bildende Künstler der Stadt. 

Doch nun stehen statt 45 Millionen nur noch 22 Millionen Euro pro Jahr für die Arbeitsraumförderung, zu denen auch Projekt- und Probenräume gehören, zur Verfügung. 30 Prozent der Räume sind gefährdet – das betrifft 368 Ateliers in 38 Gebäuden, deren Mitverträge in den kommenden zwei Jahren auslaufen. 

Die Reinickendorfer Künstler können aber erst einmal aufatmen. „Allerdings gibt es vom Senat bislang keine verbindliche Aussage zur langfristigen Sicherung des Atelier-
anmietprogramms und der entsprechenden Hauptmietverträge“, erklärt Bultmann. 

Für den Erhalt des Programms wurde eine Petition gestartet, die schon mehr als 7.200 Unterschriften gesammelt hat: www.innn.it/save-our-studios-berlin

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.