RAZ – Das Leitmedium für Reinickendorf.

Eine Frazu und zwei Männer im Studio
Marc Vogt (Mitte) mit Antonio Granados Robles und Atti Thießen im comX Radiostudio. Foto: ith

comX Radio hat 16 Jahre auf dem Sender

Gründer Marc Vogt geht in den Ruhestand und wünscht sich, dass sein „Baby“ weiterlebt

Märkisches Viertel – „Das ist noch unser erstes Mischpult und es läuft weiter prima.“ Marc Vogt schiebt einen Mikrofon-Regler auf. Wie damals, 2010, dem Gründungsjahr des Radio-Studios im bezirklichen Jugendzentrum comX am Senftenberger Ring. Anlässlich des Internationalen Tages des Radios am 13. Februar, der an das Gründungsdatum des United Nations Radio 1946 erinnert, ist die RAZ zu Besuch. 

Und auch wenn die Radio-Geschichte im comX bisher „nur“ 16 Jahre auf dem Sender hat, sind diese reich an Erlebnissen. Die Idee sei 2009 entstanden, erzählt Marc Vogt. Weil Aufbauten und Technik aber teuer sind, musste zunächst eine Finanzierung her. Diese gelang mithilfe von Fördergeldern der Telekom-Initiative „Ich kann was!“; fürs eingereichte Konzept gab es die Höchstdotierung – 10.000 Euro. Konzernchef René Obermann war einer der ersten Studiogäste, mit denen ein Live-Interview über den Online-Äther ging. 

Seither ist das Radioprogramm über Webstream zu hören. Geplant und moderiert wird es von den jungen comX-Besucherinnen und Besuchern. „Wir hatten mal zwei Mitglieder der Puhdys hier“, erinnert sich Marc Vogt an weitere Highlights, „es gab gemeinsame Sendungen mit Bewohnern des nahen Seniorenheims, und einmal hat KISS FM im Rahmen einer Patenschaft sogar von hier gesendet.“ 

Auch ohne Gäste sei im Radio immer viel los gewesen. Die Sendungen drehten sich um Themen wie Freundschaft, Gaming, Manga-Comics … was die Redaktion gerade interessiere. In Sachen Musik darf es auch mal was aus der eigenen comX Produktion sein, denn gleich nebenan befindet sich ein Tonstudio. Antonio Granados Robles, pädagogische Fachkraft und Profi-Rapper, steht Interessierten hier zur Seite: „Ich helfe beim Texten, dem Einspielen und der kompletten Bearbeitung. Das ist ein extrem kreativer Prozess, bei dem es um Authentizität geht.“ Sich auszudrücken und dadurch selbst besser kennenzulernen sei für viele Jugendliche eine sehr wichtige Erfahrung. Das bestätigt Atti Thießen. Atti arbeitet über den Verband Queere Vielfalt im comX, betreut unter anderem queere Radiosendungen und, seit kurzem, Podcasts. Auch hier steht Empowerment im Vordergrund: „Vor Publikum über das zu sprechen, was einen bewegt, ist eine große Sache und bringt das Selbstbewusstsein wirklich weiter.“

Das hat auch Marc Vogt allzu oft erlebt. Entsprechend wirkt er an diesem Tag mitunter melancholisch; in Kürze wird er in den Ruhestand gehen. Von Herzen wünscht er sich, dass sein Radio-„Baby“ fortbesteht, „denn es ist in der Form ziemlich einzigartig“, betont er und wirbt: Freie Träger, Schulen oder andere Interessierte könnten sich gern mit Sende-Ideen melden (Kontakt: www.comx-berlin.de). Denn dafür ist das comX Radio da: jungen Menschen eine Stimme zu geben.

Inka Thaysen

Ursprünglich beim Radio journalistisch ausgebildet, bin ich seit Ende 2018 für den RAZ Verlag tätig: mit redaktionellen sowie projektkoordinativen Aufgaben für print, online, Social Media und den PR-Bereich.