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Ein Mann steht inmitten von Schnittblumen

Das ist doch kein Wochenmarkt mehr

Wenn der Eigentümer nicht schnell etwas unternimmt, stirbt der traditionelle Kieztreff

Den Frohnauer Wochenmarkt, so wie ihn die älteren Frohnauer kennen, gibt es nicht mehr. Er schrumpft von Jahr zu Jahr – heute werden lediglich noch an maximal sechs Ständen Waren angeboten. Der Marktbetreiber hatte zum Jahresende 2025 allen Händlern gekündigt, die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Grundstücks bietet jetzt nun nur Monats- statt Tagesverträge an. Und das können sich einige Händler nicht mehr leisten. 

An einem Donnerstagmittag verkauft Heike Linkhorst-Krause am Stand von Kunos Fischtaxi Kabeljau, Lachs und Skrey aus Norwegen. „Seit 20 Jahren mache ich das schon“, sagt die Frohnauerin. „Und meine Stammkunden und ich sind in dieser Zeit zusammen älter geworden.“ Gegenüber bietet Danilo Guarnieri italienische Spezialitäten an, allen voran die feinen Pannuozzo. Er ist erst seit November dabei, allerdings nur dienstags bis freitags. Ein Stück weiter kreiert Can Ha im dritten Jahr montags bis freitags asiatische Spezialitäten. Der Vietnamese verkaufte zuvor in Glienicke; viele seiner Stammkunden sind ihm nach  Frohnau gefolgt. Vis-a-vis am Eingang zur Burgfrauenstraße befindet sich der Blumenstand von Thomas Rosin.  

Wie lange der Wochenmarkt schon existiert, ist nicht ganz klar. Es heißt, dass es ihn schon in den 1950er Jahren gab – damals mit festen Gebäuden. „Ich bin Jahrgang 1970 und kann mich noch sehr gut an den voll besetzten Markt erinnern“, sagt Carsten Benke, 1. Vorsitzender des Bürgervereins in der Gartenstadt Frohnau e.V. „Mit meiner Großmutter bin ich als Kind oft im engen Gang zwischen den Ständen durch die Menschenmenge geschlendert. Dort wurden die Wocheneinkäufe erledigt und Neuigkeiten ausgetauscht.“ 

Den ersten Einschnitt erfuhr der Markt Anfang der 1980er Jahre, als der benachbarte Supermarkt ausgebaut und der Parkplatz, auf dem sich auch der Markt befindet,  verkleinert worden war.  „Seitdem gibt es keinen Wochenmarkt mehr, sondern nur noch Einzelstände“, sagt Thomas Rosin (Foto).

Das Gelände gehört der Deutschen Bahn, der damalige Marktbetreiber hatte das Gelände gepachtet. Als er aufgab, kündigte er die Verträge mit den Händlern. Einige wandten sich daraufhin direkt an die Bahn, auch Thomas Rosin: „Ich kann meinen Standplatz nun monatlich mieten – und alle anderen Händler können das auch tun.“ Rosin weiter: „Auch wenn ich den Unmut einzelner Händler verstehen kann, für die die monatliche Pacht zu hoch ist, bin ich selbst doch zufrieden mit der neuen Situation.“

Bisher bezahlten die Händler nur für die Tage, die sie auch am Standort waren und nicht pauschal für den ganzen Monat. Für einige Händler ist die monatliche Miete allerdings zu hoch, wie für den Milch- und Käsespezialisten Achim Freitag: „Frohnau war seit 2012 meine regelmäßige Anlaufstelle, vor allem donnerstags. Doch während ich früher pro Tag rund 50 Euro Standmiete bezahlt habe, sind es jetzt 600 Euro monatlich. Das wäre mehr als eine nur einfache Verdopplung der bisherigen Fixkosten – und das rechnet sich nicht, wenn ich nur ein- oder zweimal pro Woche hier bin. Und mich mit einem anderen Händler zusammenzutun, um den Standplatz zu teilen, wurde leider abgelehnt.“ Und so verließ er den Frohnauer Wochenmarkt – seit 1. Januar ist sein Standplatz leer. 

Freitag weiter: „Die Versuche, mit einem der verbleibenden Händler und in Übereinstimmung mit der Bahn einen Untermietvertrag für das Gelände zu schließen, wurde von Seiten der Deutschen Bahn kategorisch abgelehnt.“ Auch der Versuch, mit dem Bezirks-amt, der Postfiliale und dem Supermarkt Kontakt aufzunehmen, um eine Lösung zu finden, seien gescheitert. 

„Das ist wirklich traurig, dass Sie nicht mehr hier sind“, sagt eine Frohnauerin, als sie Freitag trifft. Katharina Lindenmeyer, die seit Jahren hier einkauft, gibt zu bedenken, dass „doch auch die soziale Komponente eines Marktes nicht zu unterschätzen ist.“ 

Für den Bürgerverein hat der Markt eine große Bedeutung für die Gartenstadt. Doch mit den wenigen Ständen kann gegenwärtig „kein starkes Publikumsinteresse erzeugt werden“, so Benke.  Frohnau hätte deutlich mehr Potenzial, wenn der Marktbereich auch gestalterisch aufgewertet würde – insbesondere die Eingänge auf der Brücke und von der Burgfrauenstraße aus. 

Mietverträge schließt die deutsche Bahn nur noch bis 2028. Was danach mit dem Wochenmarkt und dem Grundstück geschieht, hat die Bahn der RAZ bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.