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Ein Mann steht in einer Fußgängerzone vor einem Geschäft
Foto: hb

Man kann mehr aus Alt-Tegel machen!

Gastwirte und Anwohner sind uneins: Wird der Trubel irgendwann vielleicht zu viel?

Alt-Tegel ist schon jetzt eine der schönsten Ecken Berlins. Ein Ort, der auf einzigartige Weise Dorfcharakter, Gastronomie und viel Natur miteinander verbindet. Die Lage am Wasser, die Lokale, der Schiffsanleger und die Shopping-Möglichkeiten in der Umgebung sind schon jetzt bärenstark. 

Sobald die Sonne hinter den Wolken hervorlugt, sind Fußgängerzone und Uferpromenade zum Tegeler See voller Menschen und die Gastronomen machen ein gutes Geschäft. Das Bezirks-amt hatte deshalb vor einiger Zeit eine Studie für viel Geld erstellen lassen – mit hoher Bürgerbeteiligung – wie man den ursprünglichen Charme der in die Jahre gekommenen Straße bewahren und gleichzeitig Verbesserungen bewirken kann. Dabei wird zum Beispiel über die Platzgestaltung rund um den historischen Schinkelbrunnen, die Sitzgelegenheiten und Bepflanzung, die Barrierefreiheit, die Beleuchtung und die Förderung des Radtourismus diskutiert.

Das Ziel: Mehr Touristen und Besucher aus anderen Teilen Berlins und dem brandenburgischen Umfeld anzulocken. Bezirksstadträtin Korinna Stephan (B‘90/Grüne): „Alt-Tegel hat das Potenzial zur schönsten Straße Berlins. Die Maßnahmen der Machbarkeitsstudie sollen dieses Potenzial heben.“

Christian Rahbari (60, Foto) ist einer der Gastronomen hier, der mit seinem „Sandwich“-Konzept im „Tramezzini“ Anlaufpunkt für viele Alteingesessene, aber auch für die Flanierer ist. „In Key West in Florida verdienen sie viel Geld nur mit dem Sonnenuntergang. Das haben wir hier auch“, schwärmt er und sprudelt über vor Ideen, wie der Kiez attraktiver für Besucher werden könnte. Die viel diskutierten Blumenkübel seien doch nur eine Nebensache. „Was hier fehlt, das ist ein Wochenmarkt“, sagt er. Früher gab es hier zahlreiche Stände, einen Antiquitätenmarkt, das Hafenfest, dessen Zukunft immer wieder wackelig schien, obwohl es ein Publikumsmagnet war. Aber es gab immer auch Beschwerden von Anwohnern, die ihre Ruhe haben wollen. 

Leute gucken, Kaffee trinken

rden für Veranstalter höher und höher. Gleichzeitig sind die geforderten Garantien für private Veranstalter kaum noch zu stemmen. 

Wochenmarkt, Fischmarkt, Antiquitätenmarkt und ein Weihnachtsmarkt – in Alt Tegel könnte viel los sein, ein echtes Zentrum im Norden, wo man hinkommen, dabei sein und Geld ausgeben will. Aber die Realität ist: Viele Geschäfte müssen ums Überleben kämpfen, das Stammpublikum von einst ist in die Jahre gekommen und es gibt zu wenig Anreize für Berliner aus anderen Bezirken, in den Norden zu kommen. „Dabei gibt es hier Wasser, Wald und Ruhe und tolle Bauern in der Gegend“, so Gastronom Rahbari. „Das muss politisch gewollt sein“, sagt er. Warum machen Sie nicht selbst etwas, will die RAZ von ihm wissen. „All die Auflagen des Bezirksamtes erfüllen? So viel Zeit habe ich nicht…“

Gabriele Grotjahn (79) und Ursula Carl (83) treffen sich mehrmals in der Woche mit anderen allein lebenden Senioren im Tramezzini. Sie lieben es, hier Kaffee zu trinken und Menschen zu beobachten., die vorübergehen. „Am Wochenende aber gehe ich nicht aus dem Haus“, sagt Gabriele Grotjahn „Das ist mir viel zu voll.“ Ja, ein Wochenmarkt auf dem Schlossplatz wäre schön, ist sie sich mit ihrer Tischnachbarin einig. Zur Markthalle ist es ihnen am Rollator zu weit und eine richtige Markthalle sei das sowieso nicht mehr. Und eine Weihnachtsbeleuchtung oder gar ein kleiner Weihnachtsmarkt – das würden sie sich auch wünschen. Wenn wenigstens nicht alles so verwahrlost aussehen würde – die Grün-flächen, die Blumenkübel, die Bänke. Dennoch leben sie gern hier; Ursula Carl schon ihr ganzes Leben lang.  Immerhin: Stadträtin Korinna Stephan verspricht gegenüber der RAZ: „Anfang Juni wird mit den Arbeiten an den Bänken und Blumenkübeln begonnen.“ Und: „Wir bemühen uns um weitere finanzielle Mittel, um z.B. das Thema der Beleuchtung anzugehen.“

Liebe Leser! Was würden Sie in Alt-Tegel verändern oder so lassen? Schreiben Sie uns: Redaktion_RAZ@raz-verlag.de

Heidrun Berger

Seit Gründung des RAZ Verlags im Jahr 2015 bin ich Mitglied des Teams und heute Chefredakteurin für Reinickendorfer Allgemeine Zeitung und Weddinger Allgemeine Zeitung.