Bezirk – Bei der Naturschutzkampagne „Mähfreier Mai“ gingen die Ansichten auseinander. Wie wir berichteten, hat sich der Bezirk dieses Jahr zum zweiten Mal an der Aktion beteiligt und ab Mai das Grün auf den öffentlichen Flächen bis zur Blüte wachsen lassen. Doch des einen Freud war des anderen Leid. Deshalb kündigte CDU-Stadtrat Sebastian Pieper an: „Nach Auswertung der Erfahrungen wird die Aktion in Reinickendorf in dieser Weise nicht fortgeführt.“ Wir fragten also unsere Leser: Soll es im nächsten Jahr wieder einen „Mähfreien Mai“ geben oder soll lieber alles Grün immer kurzgeschnitten werden? Die Antworten in den über 50 Zuschriften waren eindeutig:
„Viele Wildpflanzen sind Lebensraum und Schutz für bedrohte Insektenarten. Die Brennessel ist zum Beispiel Futterpflanze für über 50 Schmetterlingsarten. Seid entspannt und genießt das Grün, das Brummen und Summen der Insekten.“ U. Niemann
„Natürlich sollte es im nächsten Jahr wieder einen mähfreien Mai geben. Wann verstehen wir Menschen endlich, dass wir alles tun müssen, um die bereits sehr eingeschränkte Artenvielfalt zu schützen? Indem wir die Natur „ordentlich halten“, geschieht dieses bestimmt nicht.“ Ute Panier
„Wie kann die CDU solchen unsinnigen Beschluss fassen, wonach auf das für jedermann allgemein erkennbare Insektensterben künftig keine Rücksicht genommen werden soll? Kompetente Fachleute, nicht Politiker!, sollten die Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen darauf hinweisen, wie wichtig Insekten sind!“ Petra u. Walter Loseries
„Alle Fachleute für Stadt-Ökologie wissen und propagieren, dass es gegen die zunehmende Hitze in den Städten zwei Hauptmittel gibt: Grün, Grün und noch mal Grün und Schwammstadt, Schwammstadt, Schwammstadt, was wiederum Grün erfordert.“ Eckhard Rieke
„Die Entscheidung der CDU, Grünflächen künftig mindestens fünfmal im Jahr abzumähen und das Gebüsch massiv zu reduzieren, zeugt von einer rückwärtsgewandten Politik. Wer das anordnet, sorgt dafür, dass die Böden im Sommer austrocknen, Schatten verloren geht und Lebensräume mutwillig zerstört werden.“ J. Flenker
Grundsätzlich befürworte ich die wilden Flächen, es dürfen aber keine Sichtachsen in Straße oder Gehwege beeinträchtigt werden. Aktuell ganz katastrophal ist der Fußweg von der Containerschule in der Gabrielenstraße an den Bushaltestellen an der Mühle vorbei zur Karolinenstraße. Sehr schön wild gewachsen ist die Zeltplatzwiese vor dem Herlitzgelände.“ S. Patz
Wie sehr haben wir uns gefreut über die einzelnen Wildblumen, die plötzlich auf den Rasenflächen aufgetaucht sind! Es kann doch wohl nicht sein, dass Anwohner das als „unordentlich“ ansehen.“ Brigitte Loga
„Früher war es in Städten üblich, die Natur draußen zu halten, doch das können wir uns heute nicht mehr leisten. Gleichzeitig vermeiden wir durch weniger Mähen Lärm, Abgase und Feinstaub, ein Gewinn für Klima und Umwelt. Und nicht zu vergessen: Es spart Zeit, Kraftstoff, Wartungskosten und Arbeitskraft.“ Tanja Schröder
„Zahlen und Quellen, die belegen, wieviele Leute sich angeblich über den „Wildwuchs“ beschwert haben, werden nicht geliefert.“ K. Büchner
„Es ist mir hier in Frohnau aufgefallen, daß die Grünflächen dieses Jahr „unordentlicher“ waren. Ich finde das in Ordnung. Es hat den Nebenefekt, daß diese Flächen nicht als Hundeklo benutzt werden. Auf dem Donnersmarckplatz wurden nur die Ränder gemäht und in der Mitte blieb das Gras stehen. Was die Straßenränder betrifft, da würde ich mir eine Mähen wünschen. Denn manches Grün ist so hoch, daß man beim Abbiegen in eine Straße nicht den fließenden Verkehr einsehen kann.“ Ursula Klinge
„Ich teile die Auffassung der CDU nicht – eine bunte Grünfläche sieht für mich persönlich schöner aus als eine kurzgeschnittene. Auch sehe ich eine Verbesserung der Kriminalität, durch Rückschnitt nicht. Verstecken sich Kriminelle jetzt hinter einem Grashalm, der zu lang ist? Eine Vermüllung, wird durch den Rückschnitt ebenfalls nicht verhindert.“ U. Heidenreich
„Reinickendorf wirbt mit dem Slogan „grün und naturnah“. Daher erscheint es widersprüchlich, wenn Grünflächen flächendeckend kurz und klein gemäht werden. Als Wählerin werde ich dies zukünftig berücksichtigen und genau prüfen, welche Parteien und Kandidaten sich glaubwürdig für Natur- und Artenschutz einsetzen.“ Heike Nubbemeyer
„Die These, dass durch das Zulassen von Blühwiesen Angsträume geschaffen und die Kriminalität begünstigt würden, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das ist blühender Unsinn. Mir scheint, dass der herannahende Wahltermin die CDU dazu motiviert, ein Populismus-geeignetes Thema aufzurufen: Ordnung im Grün!“ Patrick Weiss
„Da stellen sich mir doch die Haare zu Berge, wenn ich lese, das durch das hohe Gras die Kriminalität oder auch die Verschmutzung steigt. Es tut mir leid, aber die Gegner der Blühwiesen haben wohl noch nichts vom Klimawandel und Insektensterben gehört. Vermutlich sind das die gleichen Leute, die darüber schimpfen, dass der Wald in Berlin so verwahrlost ist.“ B. Nobert
„Nur in Reinickendorf möchte die CDU „aufgrund von Beschwerden“ noch weiter zurück in die 1970 Jahre. Das ist grober Unfug und eine gravierende Missachtung der zahllosen Herausforderungen, die Klimawandel, Trockenheit und Artensterben an uns stellen. Naturräume, und seien sie noch so klein, sind gerade in einer Millionenstadt wie Berlin wertvolle Plätze, die gesichert und gefördert gehören – nicht gemäht, und schon gar nicht im Frühjahr.“ Matthias Gibtner




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