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Ein Mann steht neben einem Müllhaufen im Wald

Wer schüttet seinen Dreck in den Wald?

Die Müll-Mafia verdient mit dieser Sauerei im Reinickendorfer Forst viel Geld – Ihr Geld!

Johannes Müller (Foto) traute seinen Augen nicht, als er den riesigen Müllberg in seinem Wald entdeckte. Auf einem zugewachsenen Weg, parallel zum Hubertusweg, waren rund acht Kubikmeter Müll mit Asbestanteilen abgeladen worden. „Ich bin echt schockiert“, sagt der für das Revier Hermsdorf zuständige Förster der Berliner Forsten. 

Müll im Wald gab es schon immer, aber das waren eher Einzelfälle; mal ein am Wald-
rand abgestellter Kühlschrank, mal etwas Gartenabfall. Doch heute ist das anders: „Das Problem mit zurückgelassenem oder abgelagertem Müll ist im gesamten Berliner Wald sehr groß. Seit der Pandemie nutzen noch viel mehr Menschen den Wald als Erholungsraum. Die Müllmengen nehmen jedes Jahr zu. Und ich meine damit nicht das heruntergefallene Taschentuch, sondern das organisierte Abladen von Müll.“ Dieses Phänomen, Sondermüll, also unsortierter Müll aus Abbrucharbeiten oft mit Sondermüll durchsetzt, irgendwo abzukippen, sei mittlerweile zur Normalität geworden. 

Im Bereich des Forstamtes Tegel stößt man alle 14 Tage auf solche Müllhaufen, schätzt Müller. Er nimmt an, dass hinter dem Abladen von großen Mengen im Wald eine Müll-Mafia steckt: „Wir finden immer sechs bis acht Kubikmeter Sondermüll, die genau auf einen Kleintransporter passen“, berichtet er. „Das wird nach Plan illegal entsorgt“. Er hat auch schon zwei Männer mit ihrem Transporter, vollgeladen bis zum Limit mit Abfall, erwischt. „Die werden von jemandem beauftragt, mieten sich geschlossene Sprinter, stopfen sie dann randvoll und haben den Auftrag, den Müll nachts irgendwo abzukippen. Die Fahrer werden oft für wenig Geld für die illegale Entsorgung beauftragt und kriegen dann Bargeld in die Hand gedrückt.“ 

Sebastian Harnisch, Pressesprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR), erklärt den „neuen Trend“ so: „Es kann sich um unseriöse Entrümplungsfirmen handeln, die ihren Sperrmüll in der Gegend verteilen, oder um unseriöse Bauunternehmen, die ihren Bauschutt irgendwo abkippen.“ Das geschehe offenbar, um die Entsorgungskosten zu sparen und die entsprechenden Dienstleistungen zu Billigpreisen anbieten zu können.

Hausrat und Bauschutt

In Reinickendorf gingen vom 1. Januar bis 21. Mai beim Ordnungsamt über das Portal „Ordnungsamt-Online“ 5.795 Meldungen zu illegal entsorgtem Müll ein. Das ist ein deutlicher Anstieg: Waren es 2022 noch 2.912 Meldungen, gingen 2023 insgesamt 3.111 Meldungen ein. Im Jahr 2024 waren es 3.517 Meldungen und im vergangenen Jahr 3.691. Zudem habe sich die Art und die Menge des Mülls verändert. Zunehmend werden größere Mengen an Bau- und Sonderabfällen, wie Asbest oder Dämmmaterialien abgekippt. 

Müll liegt im Wald
In der Nähe des Schwarzen Weges im Tegeler Forst abgeladen. Foto: fle

Und das nicht nur in den Waldgebieten. Im Bezirk trennen sich Unternehmen und Bürger besonders gern in der Gotthardstraße, der Scharnweberstraße, Marktstraße, Treuenbrietzener Straße, Am Nordgraben, am Alten Bernauer Heerweg und auf dem Parkplatz Miraustraße von ihrem Müll.

Wären Kameras an Brennpunkten eine Option, die Täter zumindest zu schnappen? Noch seien keine installiert, aber „es gibt Überlegungen, dies künftig zu ändern“, heißt es aus dem Ordnungsamt. Und was ist mit den neuen Müll-Sheriffs, die bald im Bezirk Streife laufen sollen? Dafür endete Ende Mai die Ausschreibung. Nun beginnt der Einstellungsprozess und danach müssen die neuen Mitarbeiter erst einmal zur Schulung.  

Die BSR beseitigte 2024 berlinweit rund 54.000 Kubikmeter illegalen Müll, 2025 rund 60.000 – den Steuerzahler kostete das 2024 rund 10 Millionen Euro. In Reinickendorf konnten im vergangenen Jahr 84 Bußgelder an einige Verursacher erlassen werden. Einnahmen: rund 42.000 Euro.

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist seit mehr als 30 Jahren als Journalistin und Fotografin in Reinickendorf und auf der ganzen Welt unterwegs. Nach 20 Jahren bei der Lokalzeitung Nord-Berliner ist sie seit der ersten Ausgabe mit im Team der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderer Verlagsmedien. Sie arbeitet außerdem als freie Journalistin und Fotografin bei „Welt“, Berliner Zeitung und anderen Zeitungen in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie für u. a. Reise-, Wander- und Tiermagazine.