Tegel – Bietet sich der Innovationsstandort auf dem ehemaligen Flughafen Tegel für die Ansiedlung von Rüstungsfirmen an? An verschiedenen Stellen wird diese Frage aufgeworfen. So sieht etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Marvin Schulz „in TXL den idealen Knotenpunkt dieser Entwicklung“. Das vollständig umzäunte Gelände biete „ideale Voraussetzungen für Testfelder, Entwicklung und Erprobung von KI-Drohnentechnologie unter realistischen Bedingungen“.
Unter den 40 Firmen, die sich in den vergangenen Jahren in Tegel niedergelassen haben, sind drei Drohnenfirmen: Germandrones, Promethion und Sapper Intelligence. Gerade hat sich der Gründer und Chef von Promethion, Kasimir von Finck, in der aktuellen Ausgabe der IHK-Zeitschrift „Berliner Wirtschaft“ ausführlich zur Entwicklung militärisch genutzter Drohnen zu Wort gemeldet: „Wir brauchen dringend dezidierte Flächen, wo Start-ups und die Bundeswehr unbürokratisch und gemeinsam hochiterativ und regional testen können. Das hätten wir mit dem Flughafen Tegel.“
Noch hat sich die Luftwaffe im nördlichen Zipfel des Gesamtgeländes mit dem viel kritisierten Hubschrauberbetrieb nicht ganz zurückgezogen, da wird immer deutlicher, dass die komplette Aufgabe des Gebietes durch die Bundeswehr keineswegs sicher ist. Zudem weist der frühere Flughafen eine lange Geschichte militärischer Nutzung auf. So war das Gelände unter anderem viele Jahrzehnte Artillerieübungsplatz der kaiserlichen Armee. Überreste werden noch heute als gefährlicher Kampfstoff aus dem Boden geborgen.
Bei der Planungsfirma Tegel Projekt hört man das alles gar nicht gern. Geschäftsführer Frank Wolters lässt ausrichten, dass „urbane Technologien für nachhaltige resiliente Städte“ im Fokus stehen. Allerdings gebe es im „Hinblick auf den Schutz kritischer Infrastruktur oder auch hinsichtlich der Abwehr neuer Bedrohungslagen“ neue „Marktopportunitäten im Dual Use Bereich“. Mit „Dual Use“ (etwa: doppelte Verwendung) sind Techniken gemeint, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Drohnen sind dafür ein oft zitiertes Beispiel.
Wolters stellt klar, dass „Unternehmen mit rein militärischem Geschäftsmodell oder Rüstungsunternehmen nicht Teil unseres Ansiedlungsprofils“ seien. So sieht es auch Bernhard Hildebrand im Gespräch mit der RAZ. Er ist bei Tegel Projekt Bereichsleiter für Vertrieb, Kommunikation und Innovationszentren. Er zählt die Ansiedlungskriterien für Firmen auf dem ehemaligen Flughafengelände auf. Es seien „die großen Themen der Welt wie Klimawechsel, Verstädterung, urbane Technologien“. Hildebrand sieht durchaus die Notwendigkeit, eine „widerstandsfähige Stadt“ zu entwickeln, die „krisenfest gegen Anschläge auf kritische Infrastruktur“ sein müsse. Er hat etwa die Anschläge auf die Stromversorgung in Berlin Anfang des Jahres im Auge und schließt militärische Aspekte nicht vollkommen aus. Gerade bei der Drohnentechnik sieht er aber auch viele zivile Nutzungsmöglichkeiten. So hat sich bereits ein „Drohnenstammtisch“ mit den Unternehmen, die sich bei TXL eingemietet haben, der Verwaltung, Polizei und der Feuerwehr etabliert. Die Bundeswehr sei bisher nicht dabei.
Der Entwicklungsauftrag vom Senat für das Flughafengelände sei auf zivile Nutzung ausgerichtet. Hildebrand sieht auch deutliche Grenzen für die militärische Nutzung von TXL. So sei die Sicherheit keineswegs für solche Anlagen garantiert und auch der Luftraum nach oben sei begrenzt. Er erinnert daran, dass der ehemalige Flughafen innerhalb der Stadtgrenzen sei und damit in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten. Das war übrigens auch ein Grund, warum die kaiserliche Armee vor weit mehr als hundert Jahren den Artillerieübungsplatz aufgegeben hat.





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