Tegel – Einem einzigartigen Lernort, dem Jugendforschungsschiff „Cormoran“, droht das Aus. Der Senat zog sich aus der Finanzierung kurzfristig zurück. Auf dem Schiff, das unweit der Sechserbrücke liegt, bietet der Verein Das Schiff e.V. und dessen Projektleiter Andreas Schulz jährlich bis zu 1.200 Kindern und Jugendlichen praktisches Lernen. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Senats, das Projekt nicht mehr zu fördern, „waren unter anderem die nur saisonal eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten und dass die genannten Schulkooperationen inaktiv waren“, erklärt Martin Klesmann, Sprecher des Bildungssenats.
Es ist Mittwoch, der 11. März, kurz nach 14 Uhr, als RAZ-Reporterin Christiane Flechtner die knapp 20 Meter lange „Cormoran“ betritt. Eigentlich war sie für ein Interview mit Andreas Schulz gekommen. Stattdessen fand sie sich im Neoprenanzug wieder. Sie bot sich kurzerhand an, das ins Wasser gefallene Handy von Andreas Schulz zu retten. Sie findet es leider trotz mehrerer Tauchgänge nicht, doch einen Tag später sind Taucher des Nordberliner Tauchvereins erfolgreich.
Später trifft sich die Journalistin dann doch noch mit dem Projektleiter, um mehr über sein Forschungsschiff zu erfahren – im Beisein von Afghane Amin, dem zotteligen Hundememaskottchen. „Es ist wirklich schlimm, wir sind quasi totgestellt und müssen überlegen, wie wir unser schwimmendes Lernlabor weiter betreiben können“, sagt Schulz verzweifelt. „Die Senatsverwaltung hat die bereits zugesagte finanzielle Unterstützung von jährlich 53.000 Euro zurückgenommen. Geld, das schon für uns bereitstand.“
Das bedeutet, dass Schulklassen nun deutlich mehr bezahlen müssen. „Anders können wir das Projekt nicht stemmen, denn wir müssen die Honorare der Wissenschaftler, Mikroskope sowie die Steggebühr bezahlen“, so Schulz. 500 Euro kostet nun für eine Klasse ein Gewässerökologie-Tag. „Und das können viele nicht bezahlen.“ Dabei wäre ein solcher Lern
ort wichtig – richtet sich das Projekt vor dem Hintergrund der MINT-Problematik (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) insbesondere an Schulen – und bietet unterrichtsbegleitend naturwissenschaftliche Inhalte in Biologie, Chemie und Physik an. „Wir sind eine MINT-Außenexkursionsstelle und werden von der UNESCO sogar als förderungswürdig eingestuft. Die Lehrinhalte wurden nach den Berliner Rahmenlehrpläne konzipiert“, sagt Schulz. Die Kinder gehen aufs Boot, nehmen Wasserproben, untersuchen sie unter dem Mikroskop, bestimmen den pH-Wert. Neben Gewässerökologie können Gruppen auch an Exkursionen zum Thema Müll, Ornithologie, Fisch & Co., Planktonbeobachtung und erneuerbare Energien machen.
Neben der Umweltbildung spiele auch die Erlebnispädagogik eine wesentliche Rolle. So stärke das gemeinsame Rudern mit der Rudergaleere „Cecilie“ das soziale Gefüge der Gruppe. Martin Klesmann empfiehlt: „Den Schulen stehen vielfältige Angebote im Bereich der praxisnahen MINT-Förderung zur Verfügung, insbesondere das Netzwerk GenaU, das größte regionale Schülerlabor-Netzwerk.“
Vom Bezirksamt kann der kleine Verein auch nicht auf Unterstützung hoffen: „Das Jugendforschungsschiff ist im Schulamt nicht bekannt. Es handelt sich weder um eine schulische Liegenschaft noch um einen anerkannten außerschulischen Lernort“, heißt es aus der Behörde. Dem widerspricht Andreas Schulz: „Außerschulischer Lernort sind wir schon lange. Das sollte dem Schulamt bekannt sein.“ Aufgeben ist für Schulz deshalb keine Option. Er hofft auf Spenden.





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