Tegel/Hermsdorf/Frohnau/Heiligensee – Die Wälder im Berliner Norden sind nach wie vor von den großen Stürmen am 23. und 26. Juni 2025 gezeichnet. Für viele Reinickendorfer ist das ein Zeichen „zunehmender Verwahrlosung“ und „Chaos“. Auf Facebook machen sie sich Luft: „Ob Schulen, Parks oder Wälder, überall wird gespart und nicht mal das Nötigste an Sauberkeit, Erhaltung und Pflege geleistet.“ „Tausende von Festmetern Holz liegen im Wald herum und nehmen Wild und Menschen Sicht und Lebensraum. Dabei gibt es viele interessierte Kunden für den Rohstoff.“ Wieder andere erklären: „Wer den Kreislauf der Natur versteht, der weiß, dass dieses ‚naturbelassen‘ sehr wichtig ist.“ Doch wie steht es wirklich um den Tegeler Forst?
„Einen solchen Sturm hatte es in dieser Größenordnung hier noch nicht gegeben“, sagt Marc Franusch, Leiter des Forstamtes Tegel. „Die Fallwinde und Böen in extremen Windstärken fegten in wenigen Minuten über den Norden des Fuchsbezirks hinweg und haben Chaos angerichtet. Viele große alte Bäume sind ihnen zum Opfer gefallen, und wir brauchten mehrere Tage, um die Straßen freizuräumen und Monate, um im Wald die Wege freizuschneiden.“ Da die Reviere Tegelsee und Hermsdorf sowie der Spandauer Forst besonders betroffen waren, halfen Kollegen bei Sicherungs- und Aufräumarbeiten.
„Wir haben hier einen großen Naturschatz mit teils bis zu 200 Jahre altem Waldbestand – imposante Laubbäume, allen voran die stattlichen Eichen und Buchen. Doch eben diesen hohen und belaubten Bäumen wurden die Stürme zum Verhängnis.“ Sie seien jedoch schon vor dem Sturm aufgrund von Dürre- und Trockenschäden in den vergangenen Jahren in kritischem Zustand gewesen.
„Nach dem Sturm haben wir uns erst durch den Einsatz von Drohnen einen Eindruck vom Ausmaß der Schäden verschaffen können“, sagt Franusch „So haben wir ermittelt, dass in den drei genannten Revieren Bäume mit einer Holzmasse von 40.000 und 50.000 Kubikmeter geworfen oder gebrochen wurden.“ Doch davon haben die Forstarbeiter nicht mehr als 8.000 Kubikmeter herausgeholt und verkauft – also nicht mehr als 20 Prozent.
„Das war eine bewusste Entscheidung“, erklärt Franusch und nennt als Hintergrund vor allem waldökologische Belange aber auch den Evaluationsprozess der Berliner Forsten. Mit der „Waldvision 2065“ und ihren neuen Waldentwicklungsgrundsätzen setzen die Berliner Forsten auf natürliche Prozesse, Heterogenität, Vielfalt und kleinflächige Pflegemaßnahmen.
Franusch: „Wir haben uns entschieden, nur die wertvollsten, dicken Stammabschnitte bis zum ersten größeren Ast zu nutzen und für eine dauerhafte, stoffliche Verwendung in der Region zu vermarkten und alles andere im Wald zu belassen.“ Nicht nur, dass die Biomasse unglaublich wichtig als Wind-, Verdunstungsschutz und Lebensraum für Pilze und Insekten sei. Das morsche Holz diene auch als Wasserspeicher. „Für die Biodiversität ist das, was viele Reinickendorfer nun als Chaos bezeichnen, ungemein wichtig. Bodenbrüter und Kleinsäuger finden Verstecke, für junge Bäume dienen die umgestürzten Bäume und Äste womöglich sogar als Verbiss-Schutz“, erklärt Franusch.
Langfristig sollen zehn Prozent der gesunden Holzmasse als Totholzmasse im Wald bleiben. „Es ist also alles eine bewusste Entscheidung, wie wir hier agieren.“





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