Bezirk – „60 Jahre aus der Schule raus“ – so titelte die RAZ am 31. März 2016. Und heute? Heißt es eben: „70 Jahre aus der Schule raus“. Die Ehemaligen der 3. Grundschule Reinickendorf, die seit einiger Zeit Reginhard-Schule heißt, haben sich wieder getroffen und ließen in dem italienischen Ristorante „Da Giuliano“ in Tegel am 20. März alte Erinnerungen aufleben. Vier Frauen und zwei Männer waren dabei, vor zehn Jahren waren es noch einige mehr, aber inzwischen gab es weitere Todesfälle und auch krankheitsbedingte Absagen. „Wir sind ja alle Jahrgang 1939, wir werden leider immer weniger“, sagt Renate Bröhl, die sich wieder um die Organisation des Klassentreffens gekümmert hat.
Die 86-Jährige hat sich erneut einiges einfallen lassen, um das Treffen zu einem ganz besonderen Erlebnis werden zu lassen. So ließ sie Tassen mit einem alten Bild der Schulklasse bedrucken. „Und der Wirt des Ristorantes hat für uns alles ganz toll hergerichtet“, sagt die ehemalige Chefsekretärin. Organisieren ist eben ihr Ding. Für ein früheres Treffen im Schollenkrug hatte sie 25 Schultüten gebastelt, eine große Schiefertafel besorgt, Seile gespannt, daran alte Fotos aufgehängt und den großen Raum wie eine Schulklasse eingerichtet.
Die weiteste Anreise in diesem März hatte wieder Frauke Sniegocki. Sie lebt seit vielen Jahren in Mainz, ließ sich dieses 70. Jubiläum aber nicht entgehen. Eingeschult wurden sie 1946, zunächst als reine Mädchenklasse. 51 Mädchen waren sie damals, Jungs kamen später hinzu. Der 2. Weltkrieg war gerade erst zu Ende gegangen, die Nachwirkungen im Nachkriegs-Berlin allgegenwärtig. „Es war eine schreckliche Zeit“, erinnert sich Renate Bröhl. Die besonderen Umstände dieser Jahre haben die Schülerinnen und Schüler ganz besonders zusammengeschweißt. „Es sind lebenslange Freundschaften entstanden, einige von uns haben sich mehrmals im Jahr getroffen.“
Und das sei auch die Botschaft, die von diesen Treffen ausgeht. „Wir haben miteinander so viel Schlimmes im und nach dem Krieg erlebt und sind daran gewachsen“, sagt die Reinickendorferin. Aus allen sei schließlich etwas geworden. „Wir reden viel über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und über die Gesellschaft, die in Frieden und Wohlstand leben darf und das vielleicht gar nicht so zu schätzen weiß. So empfinden wir das. Hoffentlich ändern sich die Zeiten nicht wieder in eine andere Richtung.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur das: Sollte es auch zum 75. Jubiläum ein Treffen geben, dann wird die RAZ gern wieder darüber berichten.






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