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Sebastian Pieper in seinem Amtszimmer als Stadtrat und vor dem Eingang seiner Behörde im Lübener Weg. Foto: bs

CDU-Kandidat angelt nach großen Fischen

Bezirksstadtrat Sebastian Pieper will bei der nächsten Wahl Bezirksbürgermeister von Reinickendorf werden

Reinickendorf – Noch kennt ihn kaum jemand im Bezirk. Sebastian Pieper möchte aus der nächsten Wahl am 20. September als Bezirksbürgermeister der CDU hervorgehen. Er strebt die Nachfolge von Emine Demirbüken-Wegner (CDU) an, die aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. Seine Chancen stehen gut, da die CDU seit vielen Jahren die stärkste Partei im Bezirk ist.

Seit März kann er sich bereits als Stadtrat für Ordnung, Umwelt und Verkehr beweisen. Seine Vorgängerin Julia Schrod-Thiel (CDU) war nach Querelen innerhalb der Partei abrupt zurückgetreten. Bei seiner offiziellen Ernennung im Rahmen der März-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erlaubte sich Pieper einen kleinen Scherz: Als die BVV-Vorsteherin Kerstin Köppen ihn um seine Unterschrift bat, fragte er augenzwinkernd: „Der Kühlschrank wird dann später geliefert?“

Allerdings ist er nicht immer zum Scherzen aufgelegt. Beim Gespräch mit der RAZ nach seinen vorherigen Aufgaben beim Bundesnachrichtendienst (BND) gefragt, sagt er nur schlicht: „Nein“ – Nachfragen nach einem etwaigen 007-Leben zwecklos. Umso bereitwilliger gibt er Auskunft über seinen Lebens- und Berufsweg davor. Der 47-Jährige ist in Rostock geboren und aufgewachsen. Später hat er Jura studiert und war Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schäuble (CDU). Von 2011 bis 2016 arbeitete er in gleicher Funktion bei Innensenator von Berlin, Frank Henkel (CDU).

Auf kommunalpolitischer Ebene war er neben seinen beruflichen Aufgaben von 2016 bis 2026 Vorsitzender der CDU-Fraktion in der BVV von Berlin-Mitte. Als solcher hat ihn der jetzige Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Marvin Schulz angesprochen, ob er sich vorstellen könne, als Bezirksbürgermeister für Reinickendorf anzutreten. Pieper fasst mit einem breiten Lächeln zusammen: „Von der Bundespolitik über die Landespolitik zur Kommunalpolitik.“ Er fühle sich dabei sehr wohl.

Seit langem schon wohnt Pieper mit seiner Frau und fünf Kindern in Frohnau. Er gibt von seinem Familienleben nur so viel preis, dass seine Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahre alt seien. Auf seine Pläne im Bezirk angesprochen, sagt er, dass er sich insbesondere um Sauberkeit und Ordnung kümmern wolle. Die Arbeit der jetzigen CDU-Bezirksbürgermeisterin Demirbüken-Wegner möchte er nicht beurteilen, da jeder seinen eigenen Stil habe. Er betont aber ihren Fleiß und ihr „Herzblut“, mit dem sie ihr Amt ausfülle.

Auf den aktuellen Konflikt um die Einladungsliste der Bezirksbürgermeisterin für das Fastenbrechen im Rathaus (siehe Seite 8) geht er nicht ein. Die Frage, ob Pieper als Bürgermeister nächstes Jahr die gleichen islamischen Gemeinden einladen würde, von denen einige wegen zweifelhafter Verfassungstreue in der Kritik stehen, weicht er aus. Die Frage stelle sich ihm jetzt nicht: „Das werden wir dann sehen.“ 

Er wolle sich vielmehr für die Digitalisierung im Bezirk einsetzen, für den Sport und das Ehrenamt. Er selbst sei Mitglied in einem Angelverein in Heiligensee und gern mit seinem kleinen Boot auf dem Wasser unterwegs. In der Winterzeit kann er sich für das „Casting“ erwärmen. Das sei das Auswerfen des Köders mit der Angel auf eine Zielscheibe oder mit seinen Worten: „Dart mit der Angel“. 

Im Sommer gehe er auf Hechte, Barsche und Zander. Sein größter Fang sei ein 92 Zentimeter langer Hecht gewesen, nein, er korrigiert sich sofort gewissenhaft: „Er war wohl eher 90 Zentimeter lang“. Trotzdem kein kleiner Fisch.

Bertram Schwarz

Meine erste journalistische Station war die Schülerzeitung meiner Schule, später war ich für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten als freier Mitarbeiter tätig, nach dem Studium als politischer Redakteur beim NDR und später als Geschäftsführer verschiedener Medienfirmen. Seit 2019 arbeite ich als freier Autor für die RAZ.